Der Leuchtturm, erklärt
Les Éclaireurs und die Schiffswracks des Beagle-Kanals
Ein elf Meter hoher Backsteinturm, ein Mythos um einen französischen Romanautor und das Wrack eines Ozeandampfers aus dem Jahr 1930, das 1.500 Menschen in Rettungsboote zwang – nur wenige Meilen von der Route dieses Bootes entfernt.
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| Details | |
|---|---|
| Erbaut | 1919–1920 |
| Höhe | 11 Meter, Backstein, Rot-Weiß-Rot |
| Leuchtfeuer | Weißes Blinklicht alle 10 Sekunden, ~7,5 Seemeilen Reichweite |
| Der Mythos | Oft als Jules Vernes Leuchtturm bezeichnet – ist er aber nicht |
| Der echte | San Juan de Salvamento, Isla de los Estados, weiter östlich |
Ein aktiver Leuchtturm, kein Denkmal
Les Éclaireurs wurde 1919 erbaut und 1920 in Betrieb genommen und dient bis heute als aktives Navigationshilfsmittel: ein elf Meter hoher Backsteinturm mit rot-weiß-roten Streifen, dessen Laterne etwa 22,5 Meter über dem Meeresspiegel liegt, alle zehn Sekunden weiß aufblinkt und auf rund 7,5 Seemeilen sichtbar ist. Er steht auf einem eigenen kleinen Eiland mitten im Beagle-Kanal – nicht als Schmuck, sondern genau dort platziert, wo der Kanal ein Warnlicht brauchte.
Die Jules-Verne-Geschichte, richtiggestellt
Fragt man die meisten Besucher, was Les Éclaireurs ist, hört man oft, es sei der Leuchtturm, der Jules Verne zu seinem Roman „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ inspiriert habe. Das ist eine hartnäckige, durchaus nachvollziehbare Verwechslung – doch Vernes tatsächliches Vorbild war ein anderes Bauwerk, der Leuchtturm San Juan de Salvamento auf der Isla de los Estados, einer Insel weiter östlich entlang der atlantischen Küste Feuerlands. Les Éclaireurs sieht von einem vorbeifahrenden Boot aus einfach genau danach aus, was vermutlich erklärt, wie sich die Verwechslung eingebürgert hat.
Warum der Kanal überhaupt ein Leuchtfeuer brauchte
Das Eiland von Les Éclaireurs liegt mitten in einem Kanal, der seit weit über einem Jahrhundert von der Schifffahrt genutzt wird, und unter Wasser liegende Felsen rund um kleine Eilande sind genau die Art von Gefahr, vor der ein Leuchtturm warnen soll. Das deutlichste Beispiel dafür liefert ein einzelnes Ereignis aus dem Jahr 1930, das im nächsten Abschnitt beschrieben wird – ein großes Passagierschiff, das ganz in der Nähe dieser Stelle auf Felsen auflief.
Die Monte Cervantes, 1930
1930 lief der Ozeandampfer Monte Cervantes, gechartert von einer Hamburger Reederei und mit rund 1.200 Passagieren und 300 Besatzungsmitgliedern an Bord, nahe dem Eiland von Les Éclaireurs, etwa sieben Meilen vom Hafen Ushuaias entfernt, auf Felsen auf und begann schnell, Wasser zu machen. Rettungsboote brachten alle sicher zu einem nahegelegenen Dampfer, und die Überlebenden wurden in Kasernen und Privathäusern einer Stadt untergebracht, die damals nur rund 800 Einwohner zählte – ein wochenlanger logistischer Kraftakt, der bis heute Teil von Ushuaias eigener Seefahrtsgeschichte ist und im Museo Marítimo de Ushuaia dokumentiert wird. Fast alle überlebten; nach altem Seefahrerbrauch der Kapitän jedoch nicht.
Was man vom Deck aus tatsächlich sieht
Bei dieser Fahrt verlangsamt der Katamaran meist, sobald er sich dem Leuchtturm nähert, was einen klaren, nahen Blick auf den Turm und den nackten Felsen darunter ermöglicht – ein guter Fotostopp und eine Gelegenheit, selbst zu sehen, warum der fiktive Leuchtturm eines französischen Romanautors und dieser ganz reale Turm in den Reiseführern durcheinandergeraten sind.
Die Monte Cervantes im Detail
Das Schiff war von der Hamburg Company of South America gechartert und hatte rund 1.200 Passagiere sowie etwa 300 Besatzungsmitglieder an Bord, als es nahe Les Éclaireurs auf die Felsen auflief. Es machte so schnell Wasser, dass Rettungsboote zu Wasser gelassen und alle auf einen nahegelegenen Dampfer, die Remolino, gebracht wurden, bevor man sie nach Ushuaia brachte – eine Stadt mit damals nur rund 800 Einwohnern, die weit über tausend schiffbrüchige Fremde in Kasernen und Privathäusern unterbrachten.
Warum das Museum diese Geschichte bis heute erzählt
Ushuaias eigenes Museo Marítimo führt die Monte Cervantes als eine seiner zentralen Schiffswrackgeschichten, und man versteht leicht, warum: Ein fast vollständiges Überleben, dem ein einzelner, fast schon sagenhafter Todesfall gegenübersteht – der Kapitän, der nach altem Brauch mit seinem Schiff untergeht –, macht sie zu genau der Art Geschichte, an der eine Stadt festhält. Nebenbei erklärt sie ganz leise auch, warum überhaupt ein Leuchtturm auf genau diesem Felsen steht.
Warum sich die Jules-Verne-Verwechslung hält
Les Éclaireurs sieht einfach aus wie der Leuchtturm aus der Geschichte – abgelegen, rot-weiß, allein auf nacktem Fels stehend, an einem Ort, der sich wie der Rand der Landkarte anfühlt –, weshalb Generationen von Reiseführern und Tourkommentaren vermutlich Vernes Roman eher mit ihm verbunden haben als mit dem echten, weit weniger besuchten San Juan de Salvamento weiter östlich. Die Richtigstellung zu kennen, macht den Turm vom Deck aus nicht weniger eindrucksvoll – es bedeutet nur, dass man keinen Mythos wiederholt, wenn man ihn fotografiert.